Alles Gute, Phoutthavy!

Als das Vientiane Autism Center im Juni 2009 öffnete, war Phoutthavy eines der ersten neun Kinder. Der Junge war noch nicht drei Jahre alt, konnte nicht sprechen, war aber immer freundlich und guter Dinge. Schnell wurde Phout, wie er kurz gerufen wurde, zum Fotostar des Zentrums. Und Phout lernte, lernte, sich selbst anzuziehen, zu duschen, zu sprechen, zu singen und zu tanzen. Er lernte, mit den Erzieherinnen zu kommunizieren und mit den anderen Kindern. Phout tanzte immer in der ersten Reihe. Auch weil er im Vergleich zu vielen anderen Kindern klein war. Weiter hinten hätte man ihn nicht gesehen.
Nach drei Monaten formte er Laute zu selbst erfundenen Wörtern. Drei weitere Monate dauerte es, bis er verständlich artikulierte. Bald konnte er auch sicher mit Zahlen umgehen, hatte keine Probleme mit Formen und Farben. Wenn es zum Essen ging, begann Phout den anderen Kindern helfen.
Als die Fortschritte so deutlich wurden, dass auch die Erzieherinnen befürchteten, das Lernen im Zentrum könne Phoutthavys Entwicklung nun eher bremsen als fördern, sprachen sie mit Phouts Eltern. Die beobachtete den Fortschritt ihres Sohnes eher vorsichtig, wollten sicher sein, dass es keinen Rückschlag geben würde. Im Schuljahr 2012/13 begann dann unser erstes Projekt in Inklusionspädagogik. Natürlich war Phout einer der ersten, die dafür in Frage kamen. Er wurde, gemeinsam mit sieben anderen Kindern mit Autismus, stolzer Schüler der Grundschule Saphanthong. Im ersten Halbjahr war er Zweitbester seiner Klasse, das Schuljahr beendete er auf Platz 3. Bei den Auftritten unserer Kinder zu den Jahresabschlussfeiern im VAC sowie beim Wohltätigkeitskonzert im März und zum Kindertag im Juni 2013 versuchte er sich erfolgreich als Sänger und Tänzer. Ob der allgegenwärtige Gangnam Style oder das laotische Kinderlied Kuan Chai – Phout war ein ruhender Pol in der Bühnenshow, die mit viel Beifall gefeiert wurde.
Farewell Phoutthavy
Phoutthavy war dabei noch immer der stets gut gelaunte Junge, der morgens auf der Treppe des VAC saß und und alle Ankömmlinge mit einem freundlichen „Sabaidi“ begrüßte. Manchen Tag fühlten sich die Erzieherinnen schon zu starkt beansprucht, denn Phout schwatzte nun nicht nur unaufhörlich, sondern löcherte sich auch mit unendlich vielen Fragen. Bis zum 12. Juni. Das war sein letzter Tag im Vientiane Autism Center. Phoutthavy ist der erste unserer Schüler, der den kompletten Sprung in eine „normale“ Schule wagt – und schaffen kann. Die Sommerferien nutzt er zur Eingewöhnung in die neue Umgebung. Eltern und Erzieherinnen des VAC verfolgen seinen Weg mit großer Aufmerksamkeit und stehen bereit, sofort einzugreifen, falls Probleme auftauchen. Auch die Lehrer seiner neuen Schule sind eingeladen, sich im VAC darüber zu informieren, welche besonderen Anforderungen ein Kind mit Autismus stellt.
Wir sind stolz auf Phoutthavy und seinen Erfolg und werden alles tun, dass der aufgeweckte Junge auf diesem Weg bleibt. Phout, wir wünschen Dir alles Gute und sind auch weiter für Dich da!

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